
Frankfurt liegt im Westen Deutschlands in der Nähe des Rheins am Main und am Fuß des
bewaldeten Taunusgebirges. Der höchste Berg im Taunus ist der 878m (2879 feet) hohe Große
Feldberg. Frankfurt hat zusammen mit seinen Vorstädten etwa 660.000 Einwohner und lebt von
Industrie, Handel, Banken, Versicherungen. Wegen seiner Skyline, die ein wenig an Manhattan
erinnert, wird Frankfurt scherzhaft „Mainhattan” genannt. In Frankfurt gibt es die Deutsche
Bundesbank, andere Bundesbehörden und die bedeutendste Börse in Deutschland. Frankfurt hat
ein reges kulturelles Leben, es gibt viele Theater, Opern- und Konzerthäuser, Museen und dazu
viele Restaurants. Außer der Anbindung Frankfurts durch die Wasserstraßen Rhein und Main gibt
es mehrere Autobahnen und Eisenbahnverbindungen. Wegen seines Flughafens „Frankfurt-Main”, dem
größten in Deutschland, und der Rhein-Main (USAF)-Airbase der amerikanische Luftwaffe nennt man
Frankfurt auch das „Tor zur Welt”. Höchst, ursprünglich eine unabhängige Stadt, kam 1926 zu
Frankfurt und ist jetzt eine seiner westlichen Vorstädte.
Die Geschichte Frankfurts ist lang, so daß hier nur ganz kurz darüber berichtet werden kann. In
der Nähe von Frankfurt findet man Hügelgräber aus vorgeschichtlicher Zeit, aber auch Reste von
Keltenbauten aus dem 4. Jh. v.Chr., wie zum Beispiel die Steinwälle auf dem Berg Altkönig im
Taunus. Weitere Reste gibt es aus der Römischen Zeit (um 100 n.Chr.), wie den Grenzwall Limes
und Reste von Befestigungen, von denen eine, die Saalburg, rekonstruiert wurde und besichtigt
werden kann. Aus der Zeit Karls des Großen (um 800 n.Chr.) gibt es Reste einer Pfalz und die
Kirche St. Justinus in Höchst. Während der Zeit des Heiligen Römischen Reichs (1000 - 1806)
wurden die deutschen Kaiser in Frankfurt gewählt. Man kann heute noch die Wahlkammer im
Frankfurter Dom und den Kaisersaal im Frankfurter Rathaus, dem „Römer” besichtigen. 1848
tagte in der Paulskirche das erste frei gewählte deutsche Parlament, das allerdings nicht lange
Bestand hatte. Die alte Stadt Frankfurt mit ihren alten Häusern und Gassen, vor allem die
romantischen Fachwerkhäuser, wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombardierung weitgehend
zerstört. Der Wiederaufbau erbrachte eine neue Stadt mit einem anderen Gesicht. Nur wenige
rekonstruierte alte Bauten erinnern an die alte Stadt.
Die heutige Hoechst Aktiengesellschaft (Hoechst AG) wurde 1863 durch vier Unternehmer mit
dem Namen „Meister Lucius & Co.” in Höchst als Fabrik zur Herstellung von Farbstoffen
gegründet. Der erste produzierte Farbstoff war das rote Fuchsin, weswegen die neue Fabrik auch
„Rotfabrik” genannt wurde. Die Firma diversifizierte erheblich im Lauf der Zeit, wurde immer
größer und ging 1925 unter dem Namen „Farbwerke vorm. Meister Lucius und Brüning, Höchst
am Main” im Chemie-Konzern I.G.-Farbenindustrie A.G. auf. Das im Gegensatz zur Stadt
Frankfurt im Zweiten Weltkrieg nicht zerstörte Werk Höchst wurde 1945 von amerikanischen
Truppen besetzt, nahm aber bald seine Produktion wieder auf. Nach Auflösung der I.G. und
Neugründung der Teilfirmen im Jahr 1951 setzte starkes Wachstum ein.
Die jetzt „Farbwerke
Hoechst AG, vormals Meister Lucius & Brüning” genannte Gesellschaft produzierte eine breite
Stoffpalette: anorganische und organische Chemikalien, Düngemittel, Kunststoffe, Kunstfasern,
Farbstoffe und Pharmazeutika. Das etwa 4 km² (1,5 square miles) große Werk Höchst schloß
neben der Produktion die Verwaltung, den Verkauf, Forschung und Entwicklung, Analytischen
Labors, Bibliotheken, ein Kraftwerk und vieles andere ein. Im Werk Frankfurt-Höchst arbeiteten in den 70er bis 80er Jahren etwa 30.000 Menschen und der gesamte Umsatz der Hoechst AG, einschließlich aller
anderen Werke, war etwa so groß wie der des Chemieteils der amerikanischen Firma DuPont vor dem
Erwerb von Conoco Inc. (1981). In den 90er Jahren begann der Umbau des Chemiekonzerns zu
einem Life Science-Konzern. Das war mit Umstrukturierung, Bildung kleinerer Einheiten, dem
Verkauf bestimmter Aktivitäten und erheblichem Personalabbau verbunden. Die Chlor-Aktivitäten
der Hoechst AG im Werk Frankfurt-Höchst kamen zunächst an die Celanese GmbH und mit
Wirkung vom 1. Januar 1998 an LaRoche Industries Inc. (LII Europe GmbH). [Anmerkung des Herausgebers: Nachdem LII von seiner Reorganisierung in 2001 auftauchte, wurde das Geschäft bei Höchst wieder verkauft.]
Die erste Chloralkali-Elektrolyse der Welt wurde in der Firma Chemische Fabrik Griesheim, im
heutigen Werk Griesheim der Hoechst AG in Frankfurt-Griesheim, entwickelt und 1890 in Betrieb
genommen. Die in den 1930er Jahren erbaute Chloralkali-Elektrolyse im Werk Höchst produzierte
Chlor, Natronlauge und Wasserstoff auch während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg stieg
die Chlorproduktion in Frankfurt-Höchst stark an, das Chlor wurde hier vor allem für die
Herstellung von Methanchlorierungsprodukten und für die Herstellung von FCKW, aber auch für
andere Chlorierungen gebraucht. Auf dem Höhepunkt der Produktion gab es in Höchst drei
Elektrolysebetriebe mit einer Chlor-Kapazität von insgesamt 1000 t/d. Nach dem Ausstieg aus der
FCKW-Produktion blieb nur noch die neueste der drei Elektrolysen übrig. Sie ist immer wieder
modernisiert worden und befindet sich damit heute in einem hervorragenden Zustand.
Forschung und Entwicklung hat bei den Chloraktivitäten in Frankfurt-Höchst lange Tradition. So
wurden viele Neuentwicklungen von der damaligen 100%igen Hoechst-Tochter Uhde GmbH
weltweit verkauft. In den 70er und 80er Jahren wurde in Höchst eine neue Membranzelle für die
Chloralkali-Elektrolyse entwickelt, die als Hoechst-Uhde-Membranzelle von Uhde (jetzt Krupp-
Uhde GmbH) in viele Länder der Welt verkauft wird (LII Europe GmbH behält die Nutzungsrechte). Zur Zeit sind 43 Anlagen mit Hoechst-Uhde-
Membranzellen mit einer gesamtem NaOH-Kapazität von 2,5 Millionen t/a in Betrieb. In
Deutschland wenden die Bayer AG in Krefeld-Uerdingen und die BCA in Bitterfeld sowie in den
USA die Olin Corp. in Mobile, Alabama, diese Technologie an.
Die derzeitigen Aktivitäten der LaRoche Industries Inc. unter dem Namen LII Europe GmbH
beinhalten in Frankfurt-Höchst die Betriebe Chloralkali-Elektrolyse, Produktaufarbeitung und Methanchlorierung. Das
Salz für die Elektrolyse kommt per Schiff über Rhein und Main von Heilbronn (Steinsalz) in
Deutschland oder aus den Niederlanden (Siedesalz). Nach Aufarbeitung der Produkte geht das
Chlor durch Rohrleitung zum größten Teil an die Methanchlorierung und zum kleineren Teil an
andere Chlorierungsbetriebe. Die Natronlauge wird per LKW, Bahnkesselwagen oder Tankschiff
an Kunden versandt. Das gleiche geschieht mit der Bleichlauge, die aus Chlor und Natronlauge hergestellt wird. Ein Teil der Natronlauge wird zu
Ätznatron-Microprills verarbeitet und ebenfalls verkauft. In den Betrieben der Methanchlorierung
wird durch Pipeline bezogenes Erdgas zur Herstellung von Methylenchlorid und Chloroform chloriert (Kreislaufchlorierung). Die anfallende Salzsäure wird im Betrieb Methanolveresterung mit Methanol zu
Methylchlorid umgesetzt. Insgesamt sind in den Produktionsbetrieben und
Verkauf etwa 360 Menschen beschäftigt.
Die Mitarbeiter der LII Europe GmbH in Frankfurt-Höchst wohnen entweder in Frankfurt oder
seinen Vorstädten, viele auch abseits der Industrie in Gemeinden des Taunus. Dort gibt es gute
Luft, Felder und Wälder, das Wohnen ist angenehm, man kann im eigenen Haus leben, während
man in den Städten im allgemeinen in Mietwohnungen lebt. Das gesamte Rhein-Main-Gebiet mit
seinen größeren Städten Frankfurt, Mainz und Wiesbaden ist durch Autobahnen, Straßen und
Eisenbahnen gut erschlossen. Viele der Mitarbeiter arbeiten in ihrer Freizeit in Gemeinden, in
Vereinen und Vereinigungen, wie Stadtrat, Sportvereinen, Feuerwehr u.a. mit. Als Sport ist
Fußball besonders beliebt, aber auch Tennis, Wandern im Taunus und vieles anderes mehr werden
betrieben. Die vielen kulturellen und kulinarischen Attraktionen, die Frankfurt bietet, werden
natürlich auch gern in Anspruch genommen.
Nach der Zeit der Unruhe unter den Beschäftigten im früheren Werk Höchst, jetzt Industriepark Höchst, und der Ungewißheit über die Zukunft in einem Land mit vielen Arbeitslosen, kehrt mit dem Erwerb durch LaRoche Industries Inc. etwas mehr Ruhe ein. Die Mitarbeiter werden, wie bisher gewohnt, gute und effektive Arbeit für ihre Betriebe leisten.
